Beckstein-Wagner

Wolfgang Wagner: Das Ende einer Ära
sämtliche Textstellen und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers, Bayreuth

„Edler Franke, wir sagen danke“

von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Bayerns Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein hat am 28.08.2008 auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses Wolfgang Wagner als Künstlerpersönlichkeit gerühmt, die „die Kunst in Europa geprägt und die Maßstäbe in der Welt gesetzt“ habe.

Mehr als Wagner, der zum 31. August zurücktritt, könne ein Menschen nicht leisten, meinte Beckstein und fügte hinzu: „Sie haben sich in das Buch der Weltkultur mit großen Lettern eingetragen“.

Publikum feiert WagnerWagner selbst, der am 29.08.2008 seinen 89. Geburtstag feiert, stand den Abschieds-Marathon in bewundernswerter Manier durch. Er ließ es sich auch nicht nehmen, sich noch einmal von seinem Publikum zu verabschieden. Nach der letzten Vorstellung dieser Spielzeit, gleichzeitig die letzte Aufführung in der Verantwortung Wolfgang Wagners, mischte sich der Festspielleiter unter die Solisten. Und als ihn das Publikum in seinem Stuhl sitzend auf der Bühne entdeckte, standen knapp 2000 Menschen zu Wagners Ehren auf und feierten den dienstältesten Intendanten der Welt frenetisch. Bald 15 Minuten lang.

Edler Franke...

Dann schloss sich der Vorhang. Das Publikum verließ das Haus. Die Feier aber ging hinter der Bühne weiter. Dort hatten sich Chor und Orchester versammelt, um dem Festspielleiter noch einmal die Ehre zu erweisen. Das Orchester spielte (stehend!), dirigiert von Christian Thielemann, das Vorspiel zum Dritten Akt „Rienzi“, der Chor intonierte einen Choral aus dem Ersten Akt „Meistersinger“. Mit folgendem neuen Text: „Einundfünfzig Neubayreuth kam, willig Wolfgang dies übernahm, weihte sich der Wagnerei, ja er war erfolgreich da, alle stimmen hier fröhlich ein, seinem Lebenswerk würdig zu sein. Edler Franke, wir sagen danke. Nimm dies freudig an, hier am Fluss Rot-Maa“.

Thielemann dirigiert   Der Chor

Nach der Rede Becksteins wandte sich Katharina Wagner dann an die Gäste. Bat um Verständnis dafür, dass die Feier nun zu Ende sei. Dankte den Mitwirkenden und schloss, vermutlich mit Blick auf die am Montags anstehende Entscheidung des Stiftungsrats, mit den beziehungsreichen Worten: „Dann hoffentlich bis zum nächsten Jahr“.


Damit freilich war die Feier noch immer nicht vorbei. Denn die Festgesellschaft – darunter mit Patrice Chéreau, Jürgen Flimm (zwischenzeitlich Chef der Salzburger Festspiele), Alfred Kirchner, Tankred Dorst und Wolfgang Wagner sage und schreibe fünf Bayreuther „Ring“-Regisseure“ – zog dann in die in dieser Spielzeit neu eingeweihte Silver Lounge. Dort wurden Leckereien aus der Küche Alexander Herrmanns gereicht. Und es wurden viele Gespräche geführt. Mitten drin: die hohe Politik. Denn sowohl Ministerpräsident Beckstein mit Ehefrau Marga als auch Kulturminister Thomas Goppel mischten sich unter die Feiernden. Sicherlich ging es dabei auch um die bevorstehende Entscheidung in Sachen Wagner-Nachfolge.

Zu später Stunde erhob sich dann der Regisseur des „Jahrhundert-Rings“, Patrice Chéreau, um Wolfgang Wagner – ja, der „Chef“ war noch immer dabei, schüttelte viele Hände und blieb, fröhlich lächelnd, bis weit nach Mitternacht – dafür zu danken, dass er ihm zu einer Zeit den „Ring“ angeboten habe, da er „noch nichts war“. Und seine Arbeit auch gegen heftigste Kritik verteidigt habe. Außerdem erinnerte sich Chéreau noch gut daran, dass Wagner ihn, nach einer Generalrobe, vor den Vorhang geschickt habe, um die Publikumsgunst zu messen. Tags darauf sei Wolfgang Wagner nach seiner „Parsifal“-Generalprobe hinausgetreten. Und als man seine (Proben-)Arbeit mit lautstarken Buhs bedachte, habe er den Saal räumen lassen.

Das „Tannhäuser“-Team

Unter den Gästen waren auch zwei, die Bayreuth bislang nur aus der Zuschauerperspektive kennen: Der Regisseur Sebastian Baumgarten und Dirigent Thomas Hengelbrock. Sie werden 2010, mit dem Dramaturgen Carl Hegemann, der schon bei Schlingensiefs „Parsifal“ dabei war, den neuen „Tannhäuser“ in Szene setzen.

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