von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH. Es geht um die Zukunft der Bayreuther Festspiele: Am 1.9.2008 um 13 Uhr kommt im Bayreuther Rathaus der Stiftungsrat der Festspiele zu der vermutlich entscheidenden Sitzung in Sachen Nachfolgeregelung zusammen. Zur Wahl stellen sich zwei Bewerber-Duos: Eva und Katharina Wagner sowie Nike Wagner und Gérard Mortier.
Zunächst
tagt der
Stiftungsvorstand. Er hat sich zwei Stunden Zeit für seine
Sitzung genommen. Anschließend, um 13 Uhr, beginnt die
Sitiftungsratssitzung im zwölften Stock des Rathauses, der
für die in großer Zahl erwarteten Medienvertreter
zur Tabuzone erklärt wurde. In diesem Gremium sind der Bund
und der Freistaat (je fünf Stimmen), die Vertreter der vier
Wagnerstämme (insgesamt vier Stimmen), die Stadt Bayreuth
(drei Stimmen), die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die
Bayerische Landesstiftung und der Bezirk Oberfranken (je zwei Stimmen)
und die Oberfrankenstiftung (eine Stimme) vertreten.
BAYREUTH. Kurz vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung über die neue Leitung der Bayreuther Festspiele sind die Fronten jetzt endgültig klar: Eva Wagner-Pasquier wird mit ihrer Halbschwester Katharina Wagner gemeinsam kandidieren.
Nike Wagner bewirbt sich zusammen mit dem international renommiertem Opernmanager Gérard Mortier um die Leitung der Bayreuther Festspiele und hätte auch Eva Wagner-Pasquier dabei haben wollen - obwohl diese die ursprüngliche gemeinsame Bewerbung vor Monaten aufgekündigt und stattdessen sich mit Katharina zusammengetan hatte.
dpa
BAYREUTH. Im Wettstreit um die Leitung der Bayreuther Festspiele hat die Dramaturgin Nike Wagner ihre Cousine Katharina Wagner angegriffen. Für Katharina seien von "interessierter Seite Fakten geschaffen worden", um "Wolfgang Wagners dynastischen Wünschen zu entsprechen", beklagte die 63-Jährige im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht. Den Festspielen drohe jedoch schon jetzt ein "gewaltiger Qualitätsverlust".
Nike Wagner betonte, ohne ihre eigene Bewerbung hätte es überhaupt "keinen Impuls zur Veränderung" gegeben, das Festival wäre in der bestehenden "altfränkischen Kungelei" verharrt. Katharina Wagners Idee, Wagner für Kinder aufzuführen, nannte Nike Wagner "schrecklich". Kunstwerke sollten "verstanden, nicht erkrabbelt" werden.
Der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele berät am Montag über die Nachfolge von Wolfgang Wagner, der das Festival mehr als ein halbes Jahrhundert lang geleitet hatte. Nike Wagner bewirbt sich gemeinsam mit dem ehemaligen Intendanten der Pariser Oper und designierten Leiter der New York City Opera, Gérard Mortier. Katharina Wagner will die Festspielleitung zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernehmen. Nike Wagner kündigte an, sie werde zusammen mit Mortier für Wagner-Pasquier "die Tür für ein gemeinsames Direktorium" offen halten.
dpa
BAYREUTH. Im Rennen um die Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner spricht alles für seine beiden Töchter Katharina (30 und Eva Wagner-Pasquier (63). Ein Votum des Stiftungsrates der Richard-Wagner-Festspiele für ihre Konkurrenten Nike Wagner (63) im Verein mit dem früheren Leiter der Salzburger Festspiele, Gérard Mortier (64, bei der entscheidenden Sitzung an diesem Montag gilt als ausgeschlossen. Nike Wagner, die Tochter von Wieland Wagner, hat sich mit ihrer ständigen Mäkelei an den künstlerischen Qualitäten ihres Onkels bei den Entscheidungsträgern seit langem ins Abseits gestellt.
Der
angesehenen Theaterwissenschaftlerin und Chefin des Weimarer
Kunstfestes hilft auch ihre vermeintlicher Trumpf Mortier nichts. Im
Gegensatz zu Nike Wagner verfügt der Belgier zwar
über jahrzehntelange Musiktheatererfahrung. Sein
größtes Manko: Er will für Bayreuth nicht
auf die Leitung der New York City Opera verzichten, die er im September
2009 übernehmen soll. Das stößt
nicht nur den Mitgliedern des Stiftungsrates sauer auf. Ein
"Halbleiter", der sich nur im Sommer um die Festspiele kümmern
will, ist den eingefleischten Wagnerianern nicht vermittelbar.
Auch die Versuche Nike Wagners bis zuletzt, das Tandem Katharina und Eva zu spalten und Wagners älteste Tochter mit in ihr Boot im künftigen Direktorium am "Grünen Hügel" zu bringen, scheiterten. Eva Wagner-Pasquier machte am Sonntag endgültig klar, dass Katharina und sie gemeinsam antreten. In ihrer Jugend war sie "Mädchen für alles" in Bayreuth. Nach dem Bruch mit ihrem Vater in Folge der Heirat mit Katharina Wagners Mutter Gudrun erwarb sie sich internationales Ansehen in Paris, New York und zuletzt als künstlerische Beraterin beim Festival in Aix-en-Provence.
Der Stiftungsrat hatte die 63-Jährige schon vor sieben Jahren als Nachfolgerin inthronisieren wollen. Ihr damals noch rüstiger Vater Wolfgang verweigerte seinerzeit unter Hinweis auf seinen lebenslangen Vertrag seinen Rücktritt. Damals wollte er seine Frau Gudrun durchsetzen, quasi als Statthalterin für die gemeinsame Tochter Katharina, bis das Küken die nötige Reife und Erfahrung besitzt. Das ist jetzt der Fall. Der plötzliche Tod von Gudrun Wagner im November 2007 hat den Weg geebnet für die Versöhnung zwischen Wolfgang und Eva und die gemeinsame Bewerbung seiner beiden Töchter. Mit seinem Rücktritt zum 31. August hat Wolfgang Wagner, seit Samstag im 90. Lebensjahr, die Weichen für Katharina und Eva auf Grün gestellt
Katharina Wagner hat mit ihrer "Meistersinger"-Inszenierung im vergangenen Jahr ihr Regie-Debüt in Bayreuth gegeben. Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm sie die Führungsrolle in Bayreuth. Einen Volltreffer landete die 30-Jährige Ende Juli mit der ersten Live- Übertragung ihrer "Meistersinger" unter freiem Himmel. Hinter ihr und ihrer Schwester Eva steht mit Christian Thielemann der Haus-Dirigent am "Grünen Hügel", der bereits bis zum Jahr 2015 fest eingebunden ist in die Arbeit am "Grünen Hügel".
Konzeptionell liegen die beiden Bewerber-Paare nicht weit auseinander. "Das sind nicht zwei Weltanschauungen, die da aufeinanderprallen", heiß es aus dem Stiftungsrat. Die Wagner-Töchter stehen für behutsame Reformen, eine bessere mediale Vermittlung und Vermarktung der Festspiele. "Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein", heißt es in ihrem Konzept.
Revolutionäres hat auch das Duo Nike Wagner/Mortier nicht im Köcher. Ihre gemeinsame Erklärung wirft mehr Fragen auf als aussagekräftige Antworten. "Weitermachen oder Neubeginn, Traditionalismus oder Zukunftsvision? Gepflegtes Museum, Event- Theater oder Musiktheater der Zukunft", heißt es in ihrem Plädoyer für die Weiterentwicklung der Festspiele im Sinne des "Zukunftsmusikers" Richard Wagner. Dass es den beiden um "höchste musiktheatralische Qualität" geht, nicht nur szenisch, unterscheidet sie nicht von Wolfgangs Töchtern.
Auch organisatorisch beginnt am 1. September am "Grünen Hügel" ein neues Zeitalter: Die künftige Festspielleitung wird keinen Vertrag mehr auf Lebenszeit erhalten. Und die Anteile an der Festspiel-GmbH gehen vom bisherigen Alleingesellschafter Wolfgang Wagner zu gleichen Teilen auf den Bund, den Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth über.
Heute ist es soweit: Der Stiftungsrat tagt und wird über die Nachfolge auf dem Grünen Hügel entscheiden. KURIER online berichtet direkt aus dem Bayreuther Rathaus.
10:10
Uhr
Um 13:20 Uhr werden Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier dem Stiftungsrat ihr Konzept vorstellen. Anschließend um 13:40 Uhr wird Nike Wagner versuchen, mit ihrem Konzept zu überzeugen. Ob Gérard Mortier anwesend sein wird, scheint aus gesundheitlichen Gründen noch fraglich.
12:45 Uhr
Karl Gerhard Schmidt, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, der zweite Bürgermeister der Stadt Bayreuth Thomas Ebersberger und Verena Lafferentz-Wagner betreten das Rathaus.
12:49 UhrDer Vertreter der Bayerischen Landesstiftung Heinz Maurer äußert sich zur Nachfolge-Frage: "Ich halte Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier für die bessere Lösung. Ich denke schon, dass heute noch eine Entscheidung fällt."
12:52 UhrNike Wagner und Gérard Mortier betreten das Rathaus.

13:39 Uhr
Vor zirka vierzig Minuten ist der Stiftungsrat zusammen gekommen, um über die Nachfolge Wolfgang Wagners abzustimmen. Im Rathaus werden die letzten Kameras aufgebaut, die Journalisten warten gespannt auf die Entscheidung.
14:15 Uhr
Die Pressekonferenz ist vorverlegt worden: Sie findet bereits um 15.30 Uhr statt und nicht, wie geplant, um 16 Uhr.
15:30 Uhr
Die Pressekonferenz verzögert sich nun doch und findet um 16 Uhr statt.
15:47 Uhr
Dpa meldet: Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sind die neuen Festspielleiterinnen.
16:02 Uhr
Die Pressekonferenz hat noch nicht begonnen.
16:15 Uhr
Die
Pressekonferenz beginnt.
16:17 Uhr
Jetzt ist es offiziell: Die Wagner-Schwestern Eva und Katharina wurden vom Stiftungsrat mit 22:0 Stimmen gewählt und übernehmen die Festspielleitung. Nike Wagner und Gérard Mortier konnten mit ihrem Konzept nicht überzeugen.
16:19 Uhr
Toni Schmid: "Beiden wären geeignet gewesen."
16:26 Uhr
Toni
Schmid: "Es wird einen Intendantenvertrag über voraussichtlich
fünf, maximal sieben Jahre geben. Wie oft er
verlängert wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich habe
mich mit dem Minister abgesprochen, dieser hat sich wiederum mit dem
Ministerpräsidenten abgesprochen. Ich bin ja kein Beamter des
Freistaates Bayern. 22:0 ist doch ein klares Ergebnis und macht
deutlich, dass es keine Absprache im Vorfeld gegeben haben kann."
16:20 Uhr
Dazu Nike Wagner in einer Erklärung: "Was Herr Mortier dem Stiftungsrat vorgetragen hat, bleibt hoffentlich trotzdem nicht in den Wind gesprochen, profunder, weitsichtiger wurden selten die Perspektiven für Bayreuth aufgezeigt. Selbstverständlich bin ich traurig über den Ausgang des Verfahrens. Wenn es an dieser Wahl etwas Positives gab, so liegt dieses für mich in der Erzeugung einer breiten Diskussion, von der letztlich auch die Festspiele nur profitieren können. Dass Gremienvertreter mit festen Meinungen in Sitzungen gehen und sich auch durch Argumente nicht erschüttern lassen, ist leider keine neue Inszenierung. Umso größer ist meine Hoffnung, dass meine Cousinen die Anregungen von Gérard Mortier und mir aufgreifen. Ich wünsche ihnen dabei viel Erfolg."
16:28 Uhr
Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier betreten den Raum.
Katharina Wagner: "Wir freuen uns sehr. Bis 2015 ist es ja relativ vorbestimmt, was passieren wird. Und unsere Ideen sind ja auch kein Geheimnis."
Wer welche Verantwortung übernehmen wird, wollte Eva Wagner-Pasquier im Detail noch nicht bekannt werden. Jedoch soll sich Katharina eher um den Öffentlichkeitsarbeit kümmern und Eva Wagner-Pasquier wird sich der Besetzungen annehmen.
Eva Wagner-Pasquier: "Ich glaube nicht, dass man den Wechsel schnell spüren wird. Vielleicht in zwei bis drei Jahren."
Bürgermeister Michael Hohl: "Die Diskussion war sehr sachlich in der Stiftungsratsitzung."Ob Nike Wagner in Zukunft eine Rolle auf dem Grünen Hügel spielen werde, dazu wollte sich Eva Wagner-Pasquier noch nicht äußern.
Michael Hohl bestätigte, dass heute noch ein Konzept des dritten Bewerbers eingegangen sei, das aber keinerlei Auskunft über dessen Qualifikation gebe. Man habe sich außerdem jemanden gewünscht, der sich mit voller Kraft in Bayreuth einsetzen wird, während Gérard Mortier doch noch mit einem Bein in New York sei.Eva Wagner-Pasquier: "Auch in Zukunft wird es bei einer Premiere bleiben."
16:42 UhrIm Anschluss stehen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier nun noch für Presseanfragen bereit.

Seit
11 Uhr tagt der Vorstand des Stiftungsrates. Um 13 Uhr
Stiftungsrat kommt zusammen, dessen Stimmen verteilen sich wie folgt: 5
Stimmen Freistaat Bayern, 4 Stimmen Familie Wagner, 2 Stimmen Stadt
Bayreuth, 2 Stimmen Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, 2 Stimmen
Oberfrankenstiftung, 2 Stimmen Bezirk Oberfranken, 2 Stimmen Bayerische
Landesstiftung. Beide Sitzungen sind nicht
öffentlich.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Im
Gremium des Stiftungsrates sind der Bund und der Freistaat Bayern mit
insgesamt fünf der 24 Stimmen vertreten. Die Stadt Bayreuth
verfügt über drei Stimmen, die Gesellschaft der
Freunde von Bayreuth, der Bezirk Oberfranken und die Bayerische
Landesstiftung über jeweils zwei. Je eine Stimme haben die
Stämme der Familie Wagner und die Oberfrankenstiftung. (dpa)
Nach
der Entscheidung des Stiftungsrats bestellt die
Gesellschafterversammlung die neuen Geschäftsführer,
um sie auch sofort ins Handelsregister eintragen zu lassen. Der
Verwaltungsrat muss dann die Anstellungsverträge aushandeln,
was bis Anfang 2009 geschehen soll. (dpa)
Einen Vertrag auf Lebenszeit wie bei Wolfgang Wagner wird es nicht mehr geben.
BAYREUTH. Die Entscheidung des Stiftungsrates ist nun offiziel: Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier konnten sich gegen Nike Wagner und Gérard Mortier durchsetzen. Lesen Sie auf KURIER online einige prominente Stimmen zur Wahl.
Schlingensief:
"Katharina wird für produktive Irritationen sorgen."
Nach Ansicht des früheren Bayreuther "Parsifal"- Regisseurs Christoph Schlingensief wird die 30-jährige Katharina Wagner als künftige Festspielleiterin auch für produktive "Irritationen" auf dem "Grünen Hügel" sorgen. "Das hat sie in den Genen von ihrem Vater Wolfgang mitbekommen, der die Künstler zur Höchstform angespornt hat, weil in der Oper viele schon träge auf die Bühne kommen", sagte der 47-jährige Schlingensief der dpa am Montag.
"Katharina ist noch jung und muss sich noch härtere Bandagen erkämpfen. Aber sie hat denselben Drang wie ihr Vater, Irritationen zu erzeugen. Das ist jetzt noch etwas plakativ bei ihr und langweilt schnell, aber das kann sich profilieren. Und sie hat auch die Sturheit ihres Vaters und sie kann auch wehtun, das brauchen aber manche in der Branche. Ich lass mich auch quälen manchmal, sonst wäre ich beim "Parsifal" nicht glücklich geworden." Für ihn sei in Bayreuth Wolfgang Wagner "auch nicht das Problem" gewesen, "da gab es noch andere Leute". Wagner habe mit seinen "Störfeuern" Künstler veranlasst, "nochmal über sich und ihre Arbeit nachzudenken, wie ich es ja auch gerne mache".
Goppel erwartet "zügigen Abschluss" der
Vertragsverhandlungen
Bayerns Kunstminister Thomas Goppel (CSU) hat die Entscheidung des Stiftungsrats zu den Bayreuther Festspielen als "wichtige Weichenstellung" bezeichnet, die die Festspiele in eine sichere Zukunft führen werde. "Sie sind damit auf einem guten Weg." Er hoffe und erwarte jetzt einen "zügigen Abschluss der Vertragsgespräche" mit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier noch in diesem Jahr.
"Eine gemeinsame Festspielleitung der beiden Töchter Wolfgang Wagners steht sowohl für Zukunft als auch für Kontinuität der Festspiele", sagte der Minister. Mit Eva Wagner-Pasquier (63) soll eine erfahrene Opernmanagerin das Ruder in Bayreuth übernehmen, die weltweit über beste Verbindungen zu Dirigenten, Sängern und Regisseuren verfüge. Katharina Wagner (30) habe vor allem in diesem Jahr gezeigt, dass sie die Festspiele "für neue Themen und Aufgabenfelder öffnen kann". Besonders zu begrüßen sei damit auch die langfristige Bindung Christian Thielemanns an Bayreuth.
Neumann:
"Überwältigende Mehrheit für
tragfähige Entscheidung"
Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat die Entscheidung des Stiftungsrates für Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner als künftige Leiterinnen der Bayreuther Festspiele ausdrücklich begrüßt. Die Entscheidung sei mit "überwältigender Mehrheit" gefallen (22:2 Enthaltungen laut Stiftungsrat). Der Stiftungsrat habe "nach Prüfung aller vorliegenden Konzepte eine personell wie inhaltlich tragfähige Entscheidung getroffen, die ich sehr begrüße", betonte Neumann in einer Presseerklärung.
"Dass sich der Stiftungsrat mit überwältigender Mehrheit für diese Tandemlösung entschieden hat, stärkt die Festspiele für die anstehenden Zukunftsaufgaben. Es wird jetzt darauf ankommen, das vorgelegte Konzept so umzusetzen, dass das berühmteste Opernfestival der Welt seiner Vorbildrolle als Schrittmacher und Leitstätte der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, seiner Tradition und seinem internationalen Ruf auch weiterhin gerecht wird." Die Bundesregierung werde deshalb "auch in Zukunft zu ihrer Verpflichtung stehen, die Bayreuther Festspiele zu fördern". Dem langjährigen Festspielleiter Wolfgang Wagner gebühre "für seine Leistung als Festspielchef in den letzten Jahrzehnten großer Dank", betonte der Staatsminister.
Beckstein lobt Wahl des Bayreuther Stiftungsrats

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat die Entscheidung des Stiftungsrats der Richard-Wagner-Stiftung begrüßt, den Töchtern Wolfgang Wagners die Leitung der Bayreuther Festspiele zu übertragen. Mit dem Votum für Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner seien die "Weichen gut gestellt", dass die erfolgreiche Arbeit Wolfgang Wagners "mit frischem Schwung und neuen Ideen fortgesetzt werden kann", sagte Beckstein am Montag in München. "Innovative Ideen und langjährige Erfahrung werden für das richtige Verhältnis von Tradition und Aufbruch sorgen."
Die Festspielleitung liege auch nach 132 Jahren weiterhin in den Händen der Familie Wagner. "Die beiden Schwestern stehen in der großen Kontinuität ihrer berühmten Vorgänger", betonte der Ministerpräsident. Mit Katharina Wagner rücke eine junge Frau an die Spitze der Festspiele, die bereits mit ihren Regiearbeiten großes Aufsehen erregt und sich Respekt erarbeitet habe. Eva-Wagner Pasquier verfüge über eine langjährige Erfahrung im Theater- und Musikbereich. Beckstein sagte, er sei "auf die konkreten Pläne der beiden neuen Chefs sehr gespannt". Der "Mythos Bayreuth" werde nichts von seinem Zauber verlieren und künftig noch mehr Menschen in seinen Bann ziehen: "Der Grüne Hügel ist weiterhin in besten Händen.
Flimm sieht "sehr gute Lösung" in Bayreuth
Der frühere Bayreuther "Ring"-Regisseur Jürgen Flimm hat die Entscheidung für Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als künftige gemeinsame Festspielleiterinnen in Bayreuth als "eine sehr gute Lösung" bezeichnet. "Eva Wagner ist von allen die erfahrenste Opern-Managerin", sagte Flimm der dpa am Montag. Sie habe auch große internationale Erfahrung durch ihre Arbeit in Frankreich.
dpa/ddp
Fotos: dpaBAYREUTH. Groß war der Andrang an Journalisten im Sitzungssaal des Bayreuther neuen Rathauses, als der Stiftungsrat am Montag die Entscheidung über die Leitung der Bayreuher Festspiele bekanntgab. Einige Auszüge aus den Kommentaren:
von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH.
Toni Schmid, der Vorsitzende des Stiftungsrates der Bayreuther
Festspiele, hat die Kritik von Nike Wagner an der Wahl von Eva
Wagner-Pasquier und Katharina Wagner als Festspielleiterinnen
zurückgewiesen. Der Vorwurf, es habe sich um ein
„unwürdiges Procedere“ gehandelt, sei
„dumm und obendrein falsch“.

Natürlich
habe sich der Freistaat intern vor dieser wichtigen Entscheidung
abgestimmt, natürlich habe es auch sonst viele
Gespräche gegeben. Aber so zu tun, als sei alles ein
abgekartetes Spiel gewesen, sei definitiv falsch. Schließlich
habe er längst nicht mit allen Stiftungsräten vorab
gesprochen. Und gleichwohl sei bei der Abstimmung eine
22:0-Entscheidung herausgekommen. Zudem habe er mit zahlreichen anderen
Kunstschaffenden – Dirigenten, Sängern, Intendanten
– Gespräche geführt, so Schmid, um zu
überprüfen, ob man womöglich völlig
daneben liege. Und diese Gespräche hätten ihn nur
bestärkt, dass die nun gefundene Lösung die richtige
sei, sagte Schmidt.
Allzu lange hat sich Schmidt freilich mit derlei Kritik nicht
aufgehalten. Noch am Abend tagte erstmals der neu eingesetzte
Verwaltungsrat der Festspiele GmbH – und schuf Fakten.
Katharina und Eva Wagner wurden auch formal zu Festspielleiterinnen
ernannt. Und diese Entscheidung wurde sogleich notariell besiegelt. Im
Vertrauen darauf, dass die nun anstehenden Vertragsverhandlungen mit
den beiden Wagner-Urenkelinnen positiv ablaufen werden. Thema wird
dabei auch sein, wie die BF Medien GmbH neu aufgestellt werden soll.
Schmid, der den Vorsitz im neuen Verwaltungsrat inne hat
(Stellvertreter: Dr. Karl Gerhard Schmidt, der Vorsitzende der
Gesellschaft der Freunde von Bayreuth), rechnet damit, dass die
Verträge schon in den nächsten Wochen
unterschriftsreif sein werden.
Keine Einmischung
Nach dem Rücktritt Wolfgang Wagners sind Bund, Freistaat,
Stadt und „Freunde“ Gesellschafter der Festspiele
GmbH geworden. Sie bilden nun auch den Verwaltungsrat, der in etwa die
Aufgaben eines Aufsichtsrates hat. Ihm gehören je zwei
Vertreter des Bundes (Dr. Ingeborg Bergreen-Merkel, Herbert Begri), des
Freistaats (Toni Schmid, Dr. Michael Bauer), der Stadt (Dr. Michael
Hohl, Ralph Lange) und der „Freunde“ (Dr. Karl
Gerhard Schmidt, Georg Freiherr von Waldenfels) an. Das Gremium ist
Ansprechpartner für die beiden Festspielleiterinnen vor allem
in finanziellen Angelegenheiten, wobei sich der Verwaltungsrat
„in künstlerische Angelegenheiten definitiv nicht
einmischen wird“, so Schmid zum KURIER.
In dieser ersten Sitzung wurde dem Verwaltungsrat gleich der
Budgetvorschlag für die Festspiele 2009 vorgelegt; der
Finanzrahmen sei freilich noch nicht beschlossen worden, so Schmid. Und
es gebe auch Handlungsbedarf: „Wir sind an der Grenze zur
Unterfinanzierung der Festspiele“, so Schmid. Und weiter:
„Wir brauchen noch Geld“. Weshalb jetzt
Gespräche mit den Zuschussgebern anstehen.
Dass Katharina Wagner neben ihrer
Geschäftsführertätigkeit in Bayreuth noch ab
und an andernorts inszeniert, stößt bei Schmid nicht
auf Kritik: „Im Gegenteil: Es kommt doch Bayreuth zugute,
wenn Katharina Wagner zusätzliche Erfahrung
sammelt“. Und auch die Nebentätigkeit von Eva
Wagner-Pasquier als künstlerische Beraterin an der New Yorker
Metropolitan Opera könne Bayreuth nur nutzen. Insgesamt ist
Schmid mit der Wahl sehr zufrieden – vor allem weil es sich
umein Zwei-Generationen-Modell handele, das eine Zukunftsperspektive
biete
Auch die Mäzenatenvereinigung „Freunde von
Bayreuth“, die sich ja schon im Vorfeld der Wahl für
das Duo Eva/Katharina Wagner eingesetzt hatte, ist über den
Ausgang der Wahl erfreut, wie Karl Gerhard Schmid betonte. Wobei er
selbst „nie damit gerechnet“ habe, dass diese
Entscheidung einstimmig ausfallen werde.
von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH. Nur einen Tag nach dem Rücktritt Wolfgang Wagners von der Leitung der Bayreuther Festspiele hat der Stiftungsrat gestern die Leitung in neue Hände gelegt. Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) sollen das weltweit angesehene Kulturunternehmen zukünftig leiten. Eva Wagner sagte, sie sei glücklich über die Wahl. Katharina Wagner gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass „das Gezerre um die Festspiele nun endlich ein Ende“ habe.
Katharina Wagner
Sie steht ihrem Vater sehr nahe und unterstütze ihn in den vergangenen Jahren bei seiner Arbeit. 2008 initiierte sie das Public Viewing und gründete gemeinsam mit ihrem Vater eine neue Marketing-Gesellschaft.
Eva Wagner-Pasquier
1999 strengte sie einen Prozess zur Klärung der
Nachfolge der Festspielleitung an. Damals bewarb sich auch Nike um die
Position.