Wer erklimmt den Festspiel-Thron?

von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Es geht um die Zukunft der Bayreuther Festspiele: Am 1.9.2008 um 13 Uhr kommt im Bayreuther Rathaus der Stiftungsrat der Festspiele zu der vermutlich entscheidenden Sitzung in Sachen Nachfolgeregelung zusammen. Zur Wahl stellen sich zwei Bewerber-Duos: Eva und Katharina Wagner sowie Nike Wagner und Gérard Mortier.

 Zunächst tagt der Stiftungsvorstand. Er hat sich zwei Stunden Zeit für seine Sitzung genommen. Anschließend, um 13 Uhr, beginnt die Sitiftungsratssitzung im zwölften Stock des Rathauses, der für die in großer Zahl erwarteten Medienvertreter zur Tabuzone erklärt wurde. In diesem Gremium sind der Bund und der Freistaat (je fünf Stimmen), die Vertreter der vier Wagnerstämme (insgesamt vier Stimmen), die Stadt Bayreuth (drei Stimmen), die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die Bayerische Landesstiftung und der Bezirk Oberfranken (je zwei Stimmen) und die Oberfrankenstiftung (eine Stimme) vertreten.

20 Minuten Präsentation

Die beiden Bewerber-Duos – weitere Bewerbungen für die Nachfolge Wolfgang Wagners liegen nicht vor – haben in der Sitzung je 20 Minuten Zeit, ihre Konzepte zu präsentieren. Mit einer Entscheidung, wer zukünftig die Festspiele übernehmen soll, wird bis etwa 16 Uhr gerechnet. Denn für diesen Zeitpunkt ist eine Pressekonferenz anberaumt worden.

Laut Stiftungsratsatzung ist der Stiftungsrat gehalten, grundsätzlich ein Mitglied der Familie Wagner zu wählen – es sei denn, er wäre überzeugt, dass es andere, besser geeignete Bewerber gäbe. In diesem Fall würde ein Intendanten-Trio (Berlin, Wien, München) eingeschaltet.

Dass dem Stiftungsrat eine gemeinsame Empfehlung der Familie Wagner, zu der diese vor vier Monaten eingeladen worden war, präsentiert wird, gilt als unwahrscheinlich. Spannend aber bleibt, wie sich die Stämme verhalten werden. Zwar dürfte die Haltung der Stämme Wieland (Nike) und Wolfgang (Katharina/Eva) klar sein, wie die beiden anderen Familienvertreter abstimmen werden, ist freilich offen. Allerdings muss sich der Stiftungsrat an die Voten der Familien nicht halten. Es ist lediglich ein Vorschlagsrechts. Die Nachfolger Wolfgang Wagners werden mit der Mehrheit der Stimmen gewählt.

Keine Zwischenlösungen

Dass der Stiftungsrat heute zumindest eine Grundsatzentscheidung trifft, wer zukünftig die Bayreuther Festspiele führen soll, gilt als sehr wahrscheinlich. Ansonsten stünde nämlich die Festspiel GmbH ohne Geschäftsführer da. Zwar steht mit Professor Schultz ein „Mann für alle Fälle“ parat, allerdings neigt die Stiftungsratsmehrheit wohl dazu, keine Zwischenlösungen mehr zu schaffen, die das laufende Geschäft und die längerfristigen Planungen sicherlich nur erschweren würden.

Und noch eines ist sicher: Die neue Festspielleitung wird definitiv nicht mehr mit einem lebenslangen Vertrag (wie weiland Wolfgang Wagner, der 58 Jahre lang die Festspiele geleitet und durch seinen Rücktritt, der an keine Bedingungen geknüpft war, die Einleitung des Nachfolgeverfahrens erst möglich gemacht hat) ausgestattet. Angedacht ist vielmehr eine Laufzeit von fünf bis acht Jahren – wie bei anderen Intendantenverträgen üblich. Offensichtlich haben die Stiftungsräte dabei aber auch im Auge, dass 2013 ein wichtiges Wagner-Doppeljubiläum ansteht, weshalb ein Vertrag bis Ende 2013 als durchaus realistisch gilt.


Eva Wagner-Pasquier schlägt Bayreuth-Angebot von Nike Wagner aus

BAYREUTH. Kurz vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung über die neue Leitung der Bayreuther Festspiele sind die Fronten jetzt endgültig klar: Eva Wagner-Pasquier wird mit ihrer Halbschwester Katharina Wagner gemeinsam kandidieren.

 

Das Werben ihrer Cousine Nike Wagner, erneut die Seiten zu wechseln, schlug Eva Wagner-Pasquier aus. "Ich werde an meiner Bewerbung festhalten und freue mich auf die Herausforderungen gemeinsam mit Katharina", zitierte der Internetdienst "myclassicworld.com" am Sonntag Eva Wagner-Pasquier.

Nike Wagner bewirbt sich zusammen mit dem international renommiertem Opernmanager Gérard Mortier um die Leitung der Bayreuther Festspiele und hätte auch Eva Wagner-Pasquier dabei haben wollen - obwohl diese die ursprüngliche gemeinsame Bewerbung vor Monaten aufgekündigt und stattdessen sich mit Katharina zusammengetan hatte.

dpa


Nike Wagner attackiert ihre Cousine Katharina

BAYREUTH. Im Wettstreit um die Leitung der Bayreuther Festspiele hat die Dramaturgin Nike Wagner ihre Cousine Katharina Wagner angegriffen. Für Katharina seien von "interessierter Seite Fakten geschaffen worden", um "Wolfgang Wagners dynastischen Wünschen zu entsprechen", beklagte die 63-Jährige im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht. Den Festspielen drohe jedoch schon jetzt ein "gewaltiger Qualitätsverlust".

 

Nike Wagner betonte, ohne ihre eigene Bewerbung hätte es überhaupt "keinen Impuls zur Veränderung" gegeben, das Festival wäre in der bestehenden "altfränkischen Kungelei" verharrt. Katharina Wagners Idee, Wagner für Kinder aufzuführen, nannte Nike Wagner "schrecklich". Kunstwerke sollten "verstanden, nicht erkrabbelt" werden.

Der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele berät am Montag über die Nachfolge von Wolfgang Wagner, der das Festival mehr als ein halbes Jahrhundert lang geleitet hatte. Nike Wagner bewirbt sich gemeinsam mit dem ehemaligen Intendanten der Pariser Oper und designierten Leiter der New York City Opera, Gérard Mortier. Katharina Wagner will die Festspielleitung zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernehmen. Nike Wagner kündigte an, sie werde zusammen mit Mortier für Wagner-Pasquier "die Tür für ein gemeinsames Direktorium" offen halten.  

dpa


Mortier-Trumpf von Nike Wagner nutzlos?

BAYREUTH. Im Rennen um die Nachfolge von Festspielleiter Wolfgang Wagner spricht alles für seine beiden Töchter Katharina (30 und Eva Wagner-Pasquier (63). Ein Votum des Stiftungsrates der Richard-Wagner-Festspiele für ihre Konkurrenten Nike Wagner (63) im Verein mit dem früheren Leiter der Salzburger Festspiele, Gérard Mortier (64, bei der entscheidenden Sitzung an diesem Montag gilt als ausgeschlossen. Nike Wagner, die Tochter von Wieland Wagner, hat sich mit ihrer ständigen Mäkelei an den künstlerischen Qualitäten ihres Onkels bei den Entscheidungsträgern seit langem ins Abseits gestellt.

 
Der angesehenen Theaterwissenschaftlerin und Chefin des Weimarer Kunstfestes hilft auch ihre vermeintlicher Trumpf Mortier nichts. Im Gegensatz zu Nike Wagner verfügt der Belgier zwar über jahrzehntelange Musiktheatererfahrung. Sein größtes Manko: Er will für Bayreuth nicht auf die Leitung der New York City Opera verzichten, die er im September 2009 übernehmen soll. Das stößt nicht nur den Mitgliedern des Stiftungsrates sauer auf. Ein "Halbleiter", der sich nur im Sommer um die Festspiele kümmern will, ist den eingefleischten Wagnerianern nicht vermittelbar.

Auch die Versuche Nike Wagners bis zuletzt, das Tandem Katharina und Eva zu spalten und Wagners älteste Tochter mit in ihr Boot im künftigen Direktorium am "Grünen Hügel" zu bringen, scheiterten. Eva Wagner-Pasquier machte am Sonntag endgültig klar, dass Katharina und sie gemeinsam antreten. In ihrer Jugend war sie "Mädchen für alles" in Bayreuth. Nach dem Bruch mit ihrem Vater in Folge der Heirat mit Katharina Wagners Mutter Gudrun erwarb sie sich internationales Ansehen in Paris, New York und zuletzt als künstlerische Beraterin beim Festival in Aix-en-Provence.

Der Stiftungsrat hatte die 63-Jährige schon vor sieben Jahren als Nachfolgerin inthronisieren wollen. Ihr damals noch rüstiger Vater Wolfgang verweigerte seinerzeit unter Hinweis auf seinen lebenslangen Vertrag seinen Rücktritt. Damals wollte er seine Frau Gudrun durchsetzen, quasi als Statthalterin für die gemeinsame Tochter Katharina, bis das Küken die nötige Reife und Erfahrung besitzt. Das ist jetzt der Fall. Der plötzliche Tod von Gudrun Wagner im November 2007 hat den Weg geebnet für die Versöhnung zwischen Wolfgang und Eva und die gemeinsame Bewerbung seiner beiden Töchter. Mit seinem Rücktritt zum 31. August hat Wolfgang Wagner, seit Samstag im 90. Lebensjahr, die Weichen für Katharina und Eva auf Grün gestellt

Katharina Wagner hat mit ihrer "Meistersinger"-Inszenierung im vergangenen Jahr ihr Regie-Debüt in Bayreuth gegeben. Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm sie die Führungsrolle in Bayreuth. Einen Volltreffer landete die 30-Jährige Ende Juli mit der ersten Live- Übertragung ihrer "Meistersinger" unter freiem Himmel. Hinter ihr und ihrer Schwester Eva steht mit Christian Thielemann der Haus-Dirigent am "Grünen Hügel", der bereits bis zum Jahr 2015 fest eingebunden ist in die Arbeit am "Grünen Hügel".

Konzeptionell liegen die beiden Bewerber-Paare nicht weit auseinander. "Das sind nicht zwei Weltanschauungen, die da aufeinanderprallen", heiß es aus dem Stiftungsrat. Die Wagner-Töchter stehen für behutsame Reformen, eine bessere mediale Vermittlung und Vermarktung der Festspiele. "Was im Bayreuther Festspielhaus zu hören und zu sehen ist, soll Inbegriff und Maßstab für die musikalische und szenische Deutung von Richard Wagners Musikdramen sein", heißt es in ihrem Konzept.

Revolutionäres hat auch das Duo Nike Wagner/Mortier nicht im Köcher. Ihre gemeinsame Erklärung wirft mehr Fragen auf als aussagekräftige Antworten. "Weitermachen oder Neubeginn, Traditionalismus oder Zukunftsvision? Gepflegtes Museum, Event- Theater oder Musiktheater der Zukunft", heißt es in ihrem Plädoyer für die Weiterentwicklung der Festspiele im Sinne des "Zukunftsmusikers" Richard Wagner. Dass es den beiden um "höchste musiktheatralische Qualität" geht, nicht nur szenisch, unterscheidet sie nicht von Wolfgangs Töchtern.

Auch organisatorisch beginnt am 1. September am "Grünen Hügel" ein neues Zeitalter: Die künftige Festspielleitung wird keinen Vertrag mehr auf Lebenszeit erhalten. Und die Anteile an der Festspiel-GmbH gehen vom bisherigen Alleingesellschafter Wolfgang Wagner zu gleichen Teilen auf den Bund, den Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth über. 


Direkt aus dem Bayreuther Rathaus - Wie wird der Stiftungsrat entscheiden?

Heute ist es soweit: Der Stiftungsrat tagt und wird über die Nachfolge auf dem Grünen Hügel entscheiden. KURIER online berichtet direkt aus dem Bayreuther Rathaus.

 10:10 Uhr

Dpa meldet, dass kurz vor der Entscheidung noch ein weiterer Bewerber hinzu gekommen sei. So habe sich ein unehelicher Sohn Wieland Wagners beworben. Unter anderem wolle der 44-jährige Richard Bauer freien Eintritt für die Festspielbesucher. Finanzieren wolle er das durch eine Fernsehserie über die Festspiele.

10:50 Uhr


Kurz vor Sitzungsbeginn betritt der Wolfgang Wagner-Anwalt Stefan Müller das Bayreuther Rathaus.

11:38 Uhr

Die Journalisten warten auf die ersten Stimmen aus dem Stiftungsrat: Übertragungswagen stehen vor dem Rathaus, um die mit Spannung erwartete Entscheidung so schnell wie möglich zu übermitteln.

12:25 Uhr

Um 13:20 Uhr werden Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier dem Stiftungsrat ihr Konzept vorstellen. Anschließend um 13:40 Uhr wird Nike Wagner versuchen, mit ihrem Konzept zu überzeugen. Ob Gérard Mortier anwesend sein wird, scheint aus gesundheitlichen Gründen noch fraglich.

12:45 Uhr

Karl Gerhard Schmidt, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, der zweite Bürgermeister der Stadt Bayreuth Thomas Ebersberger und Verena Lafferentz-Wagner betreten das Rathaus.

12:49 Uhr

Der Vertreter der Bayerischen Landesstiftung Heinz Maurer äußert sich zur Nachfolge-Frage: "Ich halte Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier für die bessere Lösung. Ich denke schon, dass heute noch eine Entscheidung fällt."

12:52 Uhr

Nike Wagner und Gérard Mortier betreten das Rathaus.

Nike Wagner und Gerard Mortier

13:39 Uhr

Vor zirka vierzig Minuten ist der Stiftungsrat zusammen gekommen, um über die Nachfolge Wolfgang Wagners abzustimmen. Im Rathaus werden die letzten Kameras aufgebaut, die Journalisten warten gespannt auf die Entscheidung.

14:15 Uhr

Die Pressekonferenz ist vorverlegt worden: Sie findet bereits um 15.30 Uhr statt und nicht, wie geplant, um 16 Uhr.

15:30 Uhr

Die Pressekonferenz verzögert sich nun doch und findet um 16 Uhr statt.

15:47 Uhr

Dpa meldet: Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sind die neuen Festspielleiterinnen.

16:02 Uhr

Die Pressekonferenz hat noch nicht begonnen.

16:15 Uhr

Die Pressekonferenz beginnt.

16:17 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Die Wagner-Schwestern Eva und Katharina wurden vom Stiftungsrat mit 22:0 Stimmen gewählt und übernehmen die Festspielleitung. Nike Wagner und Gérard Mortier konnten mit ihrem Konzept nicht überzeugen.

16:19 Uhr

Toni Schmid: "Beiden wären geeignet gewesen."

16:26 Uhr

Toni Schmid: "Es wird einen Intendantenvertrag über voraussichtlich fünf, maximal sieben Jahre geben. Wie oft er verlängert wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich habe mich mit dem Minister abgesprochen, dieser hat sich wiederum mit dem Ministerpräsidenten abgesprochen. Ich bin ja kein Beamter des Freistaates Bayern. 22:0 ist doch ein klares Ergebnis und macht deutlich, dass es keine Absprache im Vorfeld gegeben haben kann."

16:20 Uhr

Dazu Nike Wagner in einer Erklärung: "Was Herr Mortier dem Stiftungsrat vorgetragen hat, bleibt hoffentlich trotzdem nicht in den Wind gesprochen, profunder, weitsichtiger wurden selten die Perspektiven für Bayreuth aufgezeigt. Selbstverständlich bin ich traurig über den Ausgang des Verfahrens. Wenn es an dieser Wahl etwas Positives gab, so liegt dieses für mich in der Erzeugung einer breiten Diskussion, von der letztlich auch die Festspiele nur profitieren können. Dass Gremienvertreter mit festen Meinungen in Sitzungen gehen und sich auch durch Argumente nicht erschüttern lassen, ist leider keine neue Inszenierung. Umso größer ist meine Hoffnung, dass meine Cousinen die Anregungen von Gérard Mortier und mir aufgreifen. Ich wünsche ihnen dabei viel Erfolg."

16:28 Uhr

Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier betreten den Raum.

Katharina Wagner: "Wir freuen uns sehr. Bis 2015 ist es ja relativ vorbestimmt, was passieren wird. Und unsere Ideen sind ja auch kein Geheimnis."

Wer welche Verantwortung übernehmen wird, wollte Eva Wagner-Pasquier im Detail noch nicht bekannt werden. Jedoch soll sich Katharina eher um den Öffentlichkeitsarbeit kümmern und Eva Wagner-Pasquier wird sich der Besetzungen annehmen.

Eva Wagner-Pasquier: "Ich glaube nicht, dass man den Wechsel schnell spüren wird. Vielleicht in zwei bis drei Jahren."

Bürgermeister Michael Hohl: "Die Diskussion war sehr sachlich in der Stiftungsratsitzung."

Ob Nike Wagner in Zukunft eine Rolle auf dem Grünen Hügel spielen werde, dazu wollte sich Eva Wagner-Pasquier noch nicht äußern.

Michael Hohl bestätigte, dass heute noch ein Konzept des dritten Bewerbers eingegangen sei, das aber keinerlei Auskunft über dessen Qualifikation gebe. Man habe sich außerdem jemanden gewünscht, der sich mit voller Kraft in Bayreuth einsetzen wird, während Gérard Mortier doch noch mit einem Bein in New York sei.

Eva Wagner-Pasquier: "Auch in Zukunft wird es bei einer Premiere bleiben."

16:42 Uhr

Im Anschluss stehen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier nun noch für Presseanfragen bereit.

Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner


TAGESORDNUNG

Seit 11 Uhr tagt der Vorstand des Stiftungsrates. Um 13 Uhr Stiftungsrat kommt zusammen, dessen Stimmen verteilen sich wie folgt: 5 Stimmen Freistaat Bayern, 4 Stimmen Familie Wagner, 2 Stimmen Stadt Bayreuth, 2 Stimmen Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, 2 Stimmen Oberfrankenstiftung, 2 Stimmen Bezirk Oberfranken, 2 Stimmen Bayerische Landesstiftung.  Beide Sitzungen sind nicht öffentlich.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Im Gremium des Stiftungsrates sind der Bund und der Freistaat Bayern mit insgesamt fünf der 24 Stimmen vertreten. Die Stadt Bayreuth verfügt über drei Stimmen, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, der Bezirk Oberfranken und die Bayerische Landesstiftung über jeweils zwei. Je eine Stimme haben die Stämme der Familie Wagner und die Oberfrankenstiftung. (dpa)

Nach der Entscheidung des Stiftungsrats bestellt die Gesellschafterversammlung die neuen Geschäftsführer, um sie auch sofort ins Handelsregister eintragen zu lassen. Der Verwaltungsrat muss dann die Anstellungsverträge aushandeln, was bis Anfang 2009 geschehen soll. (dpa)

Einen Vertrag auf Lebenszeit wie bei Wolfgang Wagner wird es nicht mehr geben.


Stimmen zur Wahl der neuen Festspielleitung

BAYREUTH. Die Entscheidung des Stiftungsrates ist nun offiziel: Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier konnten sich gegen Nike Wagner und Gérard Mortier durchsetzen. Lesen Sie auf KURIER online einige prominente Stimmen zur Wahl.

 

Christoph SchlingensiefSchlingensief: "Katharina wird für produktive Irritationen sorgen."

Nach Ansicht des früheren Bayreuther "Parsifal"- Regisseurs Christoph Schlingensief wird die 30-jährige Katharina Wagner als künftige Festspielleiterin auch für produktive "Irritationen" auf dem "Grünen Hügel" sorgen. "Das hat sie in den Genen von ihrem Vater Wolfgang mitbekommen, der die Künstler zur Höchstform angespornt hat, weil in der Oper viele schon träge auf die Bühne kommen", sagte der 47-jährige Schlingensief der dpa am Montag.

"Katharina ist noch jung und muss sich noch härtere Bandagen erkämpfen. Aber sie hat denselben Drang wie ihr Vater, Irritationen zu erzeugen. Das ist jetzt noch etwas plakativ bei ihr und langweilt schnell, aber das kann sich profilieren. Und sie hat auch die Sturheit ihres Vaters und sie kann auch wehtun, das brauchen aber manche in der Branche. Ich lass mich auch quälen manchmal, sonst wäre ich beim "Parsifal" nicht glücklich geworden." Für ihn sei in Bayreuth Wolfgang Wagner "auch nicht das Problem" gewesen, "da gab es noch andere Leute". Wagner habe mit seinen "Störfeuern" Künstler veranlasst, "nochmal über sich und ihre Arbeit nachzudenken, wie ich es ja auch gerne mache".

Goppel erwartet "zügigen Abschluss" der Vertragsverhandlungen Thomas Goppel

Bayerns Kunstminister Thomas Goppel (CSU) hat die Entscheidung des Stiftungsrats zu den Bayreuther Festspielen als "wichtige Weichenstellung" bezeichnet, die die Festspiele in eine sichere Zukunft führen werde. "Sie sind damit auf einem guten Weg." Er hoffe und erwarte jetzt einen "zügigen Abschluss der Vertragsgespräche" mit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier noch in diesem Jahr.

"Eine gemeinsame Festspielleitung der beiden Töchter Wolfgang Wagners steht sowohl für Zukunft als auch für Kontinuität der Festspiele", sagte der Minister. Mit Eva Wagner-Pasquier (63) soll eine erfahrene Opernmanagerin das Ruder in Bayreuth übernehmen, die weltweit über beste Verbindungen zu Dirigenten, Sängern und Regisseuren verfüge. Katharina Wagner (30) habe vor allem in diesem Jahr gezeigt, dass sie die Festspiele "für neue Themen und Aufgabenfelder öffnen kann". Besonders zu begrüßen sei damit auch die langfristige Bindung Christian Thielemanns an Bayreuth.

Bernd NeumannNeumann: "Überwältigende Mehrheit für tragfähige Entscheidung"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat die Entscheidung des Stiftungsrates für Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner als künftige Leiterinnen der Bayreuther Festspiele ausdrücklich begrüßt. Die Entscheidung sei mit "überwältigender Mehrheit" gefallen (22:2 Enthaltungen laut Stiftungsrat). Der Stiftungsrat habe "nach Prüfung aller vorliegenden Konzepte eine personell wie inhaltlich tragfähige Entscheidung getroffen, die ich sehr begrüße", betonte Neumann in einer Presseerklärung.

"Dass sich der Stiftungsrat mit überwältigender Mehrheit für diese Tandemlösung entschieden hat, stärkt die Festspiele für die anstehenden Zukunftsaufgaben. Es wird jetzt darauf ankommen, das vorgelegte Konzept so umzusetzen, dass das berühmteste Opernfestival der Welt seiner Vorbildrolle als Schrittmacher und Leitstätte der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, seiner Tradition und seinem internationalen Ruf auch weiterhin gerecht wird." Die Bundesregierung werde deshalb "auch in Zukunft zu ihrer Verpflichtung stehen, die Bayreuther Festspiele zu fördern". Dem langjährigen Festspielleiter Wolfgang Wagner gebühre "für seine Leistung als Festspielchef in den letzten Jahrzehnten großer Dank", betonte der Staatsminister.

Beckstein lobt Wahl des Bayreuther Stiftungsrats Günther Beckstein

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat die Entscheidung des Stiftungsrats der Richard-Wagner-Stiftung begrüßt, den Töchtern Wolfgang Wagners die Leitung der Bayreuther Festspiele zu übertragen. Mit dem Votum für Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner seien die "Weichen gut gestellt", dass die erfolgreiche Arbeit Wolfgang Wagners "mit frischem Schwung und neuen Ideen fortgesetzt werden kann", sagte Beckstein am Montag in München. "Innovative Ideen und langjährige Erfahrung werden für das richtige Verhältnis von Tradition und Aufbruch sorgen."

Die Festspielleitung liege auch nach 132 Jahren weiterhin in den Händen der Familie Wagner. "Die beiden Schwestern stehen in der großen Kontinuität ihrer berühmten Vorgänger", betonte der Ministerpräsident. Mit Katharina Wagner rücke eine junge Frau an die Spitze der Festspiele, die bereits mit ihren Regiearbeiten großes Aufsehen erregt und sich Respekt erarbeitet habe. Eva-Wagner Pasquier verfüge über eine langjährige Erfahrung im Theater- und Musikbereich. Beckstein sagte, er sei "auf die konkreten Pläne der beiden neuen Chefs sehr gespannt". Der "Mythos Bayreuth" werde nichts von seinem Zauber verlieren und künftig noch mehr Menschen in seinen Bann ziehen: "Der Grüne Hügel ist weiterhin in besten Händen.

Flimm sieht "sehr gute Lösung" in Bayreuth

Jürgen Flimm

Der frühere Bayreuther "Ring"-Regisseur Jürgen Flimm hat die Entscheidung für Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als künftige gemeinsame Festspielleiterinnen in Bayreuth als "eine sehr gute Lösung" bezeichnet. "Eva Wagner ist von allen die erfahrenste Opern-Managerin", sagte Flimm der dpa am Montag. Sie habe auch große internationale Erfahrung durch ihre Arbeit in Frankreich.

"Ich weiß, was sie für gute Arbeit in Paris, New York und vor allem für das Festival in Aix-en-Provence geleistet hat. Und mit Christian Thielemann haben sie den zurzeit vielleicht besten deutschen Dirigenten mit im Team", sagte Flimm. Gegen die Kombination Nike Wagner/Gérard Mortier spreche, dass Mortier seinen Posten in Bayreuth "sozusagen nur als Teilzeitkraft machen würde und das würden vermutlich auch seine Arbeitgeber in New York nicht gerne sehen". Im September 2009 soll Mortier die Leitung der New York City Opera übernehmen.

dpa/ddp

Fotos: dpa

„Der Bierzimmerdunst der erfolgreichen Intrige“

BAYREUTH. Groß war der Andrang an Journalisten im Sitzungssaal des Bayreuther neuen Rathauses, als der Stiftungsrat am Montag die Entscheidung über die Leitung der Bayreuher Festspiele bekanntgab. Einige Auszüge aus den Kommentaren:

 

Patrick Bahners in der „FAZ“ kommentiert:

„Man hat den Rat der Intendantenkommission nicht eingeholt, deren Einberufung die Satzung bei Zweifeln an Bewerbern aus der Familie vorschreibt. Offenkundig glaubten die Politiker, die Sache ohne Eintritt in eine Debatte über die Zukunft der Festspiele nach den für den öffentlichen Dienst verbindlichen Kriterien von Eignung und Leistung entscheiden zu können. In dieser Abwägung hat Katharina Wagner den Vorzug vor Nike Wagner erhalten und Eva Wagner-Pasquier vor Gérard Mortier, dem Intendanten der Pariser Oper und früheren Chef der Salzburger Festspiele. Ausgerechnet in dem Moment, da die Festspiele in das Eigentum der öffentlichen Hand übergehen, ist ein Leitungsteam aus dem Kreis der Nachkommen des Gründers eingesetzt worden, dem noch nicht einmal die Mehrheitsmeinung der Familie die Aufgabe zutraut. Zu Recht wundert sich Mortier darüber, dass eine öffentliche Ausschreibung nicht stattfand. Der Bierzimmerdunst der erfolgreichen Intrige liegt als Schatten auf dem Neuanfang nach 57 Jahren Wolfgang Wagner. Es gilt das Wort Katharina Wagners: ‘Bayreuth hat sich immer auch durch eine gewisse Provinzialität ausgezeichnet.’“

Manuel Brug schreibt in der Tageszeitung „Die Welt“:

„Der Stiftungsrat hat, auch wenn sicherlich die Meinungsschalen besonders bei den beiden wichtigsten Stimmführern, dem Bund und dem Land Bayern, schon zu einer Seite geneigt waren, sich ebenfalls das neue Konzept des Duos Nike Wagner/Gerard Mortier aufmerksam angehört und sogar die dafür vorgesehene Zeit kräftig überzogen. Aber deren Opernrezepte von gestern konnten auch in persona vorgetragen offenbar nicht wirklich überzeugen. Es siegte der Pragmatismus auf der ganzen Linie.“

Reinhard Brembeck schreibt in der „Süddeutschen Zeitung“:

„Nun hat das große Bayreuther Sommerlochtheater doch die zu erwartende Lösung gefunden: Die Halbschwestern Katharina und Eva Wagner werden als Nachfolgerinnen ihres 89-jährigen Vaters Wolfgang die neuen Chefinnen der Festspiele. Damit geht eine gut zehnjährige Schmierenkomödie zu Ende, bei der es letztlich um eine Formalie ging: Ob der auf Lebenszeit bestallte Festspielchef Wolfgang auch noch seine(n) Nachfolger bestimmen darf oder nicht. Wolfgang hat seinen Willen bekommen. Dass das Prozedere dabei undurchschaubar war und den Beigeschmack von Klüngelei aufwies, ist zwar bayerischer Eigenart geschuldet, trägt aber keineswegs zum Ruhm der Festspiele bei. Aber jetzt ist Ruhe, jetzt ist eine der leidigsten Kulturdiskussionen vom Tisch. Das zumindest ist ein Grund zum Jubeln. Haben die Verantwortlichen in Bayreuth die richtige Entscheidung gefällt, indem sie das Intellektuellen- und Macherpaar Nike Wagner & Gérard Mortier ausgebootet haben? Eine Antwort darauf wird es wohl nie geben.“

Der renommierte Kritiker Joachim Kaiser empfiehlt:

„Aufgehalten werden kann der Niedergang Bayreuths nur mit Hilfe einer weniger populistischen, unpopulären, asketischen Wende! Bayreuth muss auf verzweifelte Suche nach Wagner-Interpreten gehen, die große Werke gewiss phantasievoll verlebendigen wollen, aber nicht willkürlich thematisch umfunktionieren, wie es zum Beispiel Katharina tat, als sie die Meistersinger in Meistermaler verwandelte. Bayreuth braucht Regisseure, die ein Arbeitsethos aufbringen wie einst Harry Kupfer, Jean-Pierre Ponnelle oder wie in unserer Gegenwart Dieter Dorn, Otto Schenk, Andrea Breth.“

In der „Frankfurter Rundschau“ schreibt Hans-Jürgen Linke:

„Ein Zeitalter ist auf dem Grünen Hügel zu Ende gegangen. Das Neue, das jetzt kommt, kennen wir, bis auf ein paar möglicherweise originelle Details, längst von überall. Und Nike Wagner kann auch froh sein, die Bayreuther Leitung nicht übernehmen zu müssen. Sie hätte nie, wie Katharina, einfach weitermachen dürfen. Sie hätte vieles verändern und alles begründen müssen. Mit Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hingegen verknüpft sich weniger die Erwartung von Innovation als die von Kontinuität. Das ist wahrscheinlich weniger belastet und stärker belastbar.“

Unter der Überschrift „Unter uns Betschwestern“ urteilt Christine Lemke-Matwey im Berliner „Tagesspiegel“:

„Gleichwohl ist es jammerschade und traurig, dass Nikes Hirn für Bayreuth nun fehlen wird. Die Wielandlinie bleibt so mindestens eine weitere Generation vom Hügelgeschehen ausgeschlossen, das auch. Vor allem aber wird der „genetische Zufall“ (so Nike über das Talent ihres Vaters), der dem Wagner-Clan mit ihrer Person unter all den Schauspielern, Maklern, Anwälten und Nur-Querulanten eine gewiefte Intellektuelle bescherte, nicht genutzt. Für die bereits 2001 politisch gewollte Eva Wagner-Pasquier mag sich der Tod ihrer Stiefmutter Gudrun im vergangenen November gerade noch rechtzeitig ereignet haben, um über den einen oder anderen familiären Schützengraben und den eigenen Schatten zu springen. Für die skrupulöse, streitbare Nike war die Zeit dafür zu kurz.

„Wir brauchen noch Geld“

von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Toni Schmid, der Vorsitzende des Stiftungsrates der Bayreuther Festspiele, hat die Kritik von Nike Wagner an der Wahl von Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner als Festspielleiterinnen zurückgewiesen. Der Vorwurf, es habe sich um ein „unwürdiges Procedere“ gehandelt, sei „dumm und obendrein falsch“.

Festspielleiter

Natürlich habe sich der Freistaat intern vor dieser wichtigen Entscheidung abgestimmt, natürlich habe es auch sonst viele Gespräche gegeben. Aber so zu tun, als sei alles ein abgekartetes Spiel gewesen, sei definitiv falsch. Schließlich habe er längst nicht mit allen Stiftungsräten vorab gesprochen. Und gleichwohl sei bei der Abstimmung eine 22:0-Entscheidung herausgekommen. Zudem habe er mit zahlreichen anderen Kunstschaffenden – Dirigenten, Sängern, Intendanten – Gespräche geführt, so Schmid, um zu überprüfen, ob man womöglich völlig daneben liege. Und diese Gespräche hätten ihn nur bestärkt, dass die nun gefundene Lösung die richtige sei, sagte Schmidt.


Allzu lange hat sich Schmidt freilich mit derlei Kritik nicht aufgehalten. Noch am Abend tagte erstmals der neu eingesetzte Verwaltungsrat der Festspiele GmbH – und schuf Fakten. Katharina und Eva Wagner wurden auch formal zu Festspielleiterinnen ernannt. Und diese Entscheidung wurde sogleich notariell besiegelt. Im Vertrauen darauf, dass die nun anstehenden Vertragsverhandlungen mit den beiden Wagner-Urenkelinnen positiv ablaufen werden. Thema wird dabei auch sein, wie die BF Medien GmbH neu aufgestellt werden soll. Schmid, der den Vorsitz im neuen Verwaltungsrat inne hat (Stellvertreter: Dr. Karl Gerhard Schmidt, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth), rechnet damit, dass die Verträge schon in den nächsten Wochen unterschriftsreif sein werden.

Keine Einmischung

Nach dem Rücktritt Wolfgang Wagners sind Bund, Freistaat, Stadt und „Freunde“ Gesellschafter der Festspiele GmbH geworden. Sie bilden nun auch den Verwaltungsrat, der in etwa die Aufgaben eines Aufsichtsrates hat. Ihm gehören je zwei Vertreter des Bundes (Dr. Ingeborg Bergreen-Merkel, Herbert Begri), des Freistaats (Toni Schmid, Dr. Michael Bauer), der Stadt (Dr. Michael Hohl, Ralph Lange) und der „Freunde“ (Dr. Karl Gerhard Schmidt, Georg Freiherr von Waldenfels) an. Das Gremium ist Ansprechpartner für die beiden Festspielleiterinnen vor allem in finanziellen Angelegenheiten, wobei sich der Verwaltungsrat „in künstlerische Angelegenheiten definitiv nicht einmischen wird“, so Schmid zum KURIER.

In dieser ersten Sitzung wurde dem Verwaltungsrat gleich der Budgetvorschlag für die Festspiele 2009 vorgelegt; der Finanzrahmen sei freilich noch nicht beschlossen worden, so Schmid. Und es gebe auch Handlungsbedarf: „Wir sind an der Grenze zur Unterfinanzierung der Festspiele“, so Schmid. Und weiter: „Wir brauchen noch Geld“. Weshalb jetzt Gespräche mit den Zuschussgebern anstehen.

Dass Katharina Wagner neben ihrer Geschäftsführertätigkeit in Bayreuth noch ab und an andernorts inszeniert, stößt bei Schmid nicht auf Kritik: „Im Gegenteil: Es kommt doch Bayreuth zugute, wenn Katharina Wagner zusätzliche Erfahrung sammelt“. Und auch die Nebentätigkeit von Eva Wagner-Pasquier als künstlerische Beraterin an der New Yorker Metropolitan Opera könne Bayreuth nur nutzen. Insgesamt ist Schmid mit der Wahl sehr zufrieden – vor allem weil es sich umein Zwei-Generationen-Modell handele, das eine Zukunftsperspektive biete

Auch die Mäzenatenvereinigung „Freunde von Bayreuth“, die sich ja schon im Vorfeld der Wahl für das Duo Eva/Katharina Wagner eingesetzt hatte, ist über den Ausgang der Wahl erfreut, wie Karl Gerhard Schmid betonte. Wobei er selbst „nie damit gerechnet“ habe, dass diese Entscheidung einstimmig ausfallen werde.



Die „Marke Bayreuth“ nicht verwässern

von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Nur einen Tag nach dem Rücktritt Wolfgang Wagners von der Leitung der Bayreuther Festspiele hat der Stiftungsrat gestern die Leitung in neue Hände gelegt. Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) sollen das weltweit angesehene Kulturunternehmen zukünftig leiten. Eva Wagner sagte, sie sei glücklich über die Wahl. Katharina Wagner gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass „das Gezerre um die Festspiele nun endlich ein Ende“ habe.

 

Pressekonferenz

Der Beschluss der Stiftungsrats war wieder mal kurz: „Der Stiftungsrat schlägt Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner für die zukünftige Festspielleitung vor und bittet die Bayreuther Festspiele GmbH, Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner zu Geschäftsführern zu bestimmen.“ Und das tat der Verwaltungsrat denn auch. In der Sitzung am späten Abend wurden Eva und Katharina Wagner vorläufig zu Geschäftsführern ernannt. Vorläufig deshalb, weil die Vertragsverhandlungen mit den beiden Wagner-Urenkelinnen ja erst jetzt beginnen. Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl gab sich jedoch zuversichtlich, dass diese Verhandlungen spätestens bis Jahresende abgeschlossen sein werden.

Die Rollenaufteilung in der (gleichberechtigen) Festspielleitung haben Eva und Katharina Wagner eigenen Angaben zufolge intern bereits weitgehend festgezurrt. Allerdings wollten sie Details erst später bekannt geben. Nur soviel steht fest: Bayreuth werde keine Co-Produktionen mit anderen Häusern machen, sagte Eva Wagner, die Verwässerung der „Marke Bayreuth“ solle verhindert, die Alleinstellung der Festspiele betont werden. Katharina Wagner ergänzte, dass sich die beiden Halbschwestern die Kritik an der Besetzungspolitik in Bayreuth sehr zu Herzen nähmen: „An der Qualität muss sich einiges ändern“.

Auf die Frage, wie Wolfgang Wagner die Wahl seiner beiden Töchter aufgenommen habe, sagte Katharina Wagner, dass er einen für ihn typischen Kommentar abgegeben habe – nämlich den, dass er sich nun endgültig zur Ruhe setzen könne. Unterdessen bekannte Eva Wagner-Pasquier, dass sie mit einer „gewissen Sentimentalität“ nunmehr nach Hause zurückkehre.

Nike Wagner stellte sich nach der Präsentation ihres Gemeinschaftskonzeptes mit Gérard Mortier nicht mehr den Fragen der Medien. Dafür verbreitete sie eine vorbereitete Erklärung. Und in der heißt es, dass sie sich bei Mortier auch dafür bedanke, „dass er sich dieser befremdlichen Prozedur unterzogen hat, obwohl sehr früh klar stand, dass Legitimation hier nur durch Verfahren und nicht durch Inhalte erzeugt wurde“. In einer weiteren Erklärung begründete der Stamm Wieland seine Nichtteilnahme an der Abstimmung damit, dass der Stiftungsrat „nie in die von ihm selbst angeregte Diskussion“ über die Zukunft der Festspiele eingetreten sei und er das Konzept Nike/Mortier „nicht unvoreingenommen geprüft“ habe. Und weiter heißt es in der von Wolf Siegfried Wagner unterzeichneten Erklärung: „Das unwürdige Procedere bei der Bestimmung der neuen Leitung der Festspiele hindert und aber keinesfalls daran, Eva und Katharina viel Erfolg für ihre künftige Arbeit zu wünschen“.

Die Frage, ob auch eine Einbeziehung von Nike Wagner in die Festspielleitung noch denkbar wäre, wollten Eva und Katharina Wagner derzeit noch offen lassen. Katharina Wagner bricht morgen nach Bremen auf. Dort beginnen die Proben für ihre nächste Regiearbeit. Am 2. Oktober ist „Rienzi“-Premiere. Allerdings wollen sich die beiden Schwestern ab sofort auch um anstehende Festspielfragen kümmern. Auch wenn sie derzeit noch nicht im Besitz eines gültigen Vertrages sind.


Kurzporträt der designierten Festspielleiterinnen

Katharina Wagner

  • geboren am 21. Mai 1978 in Bayreuth
  • Tochter von Wolfgang und Gudrun Wagner
  • Studium der Theaterwissenschaft an der FU Berlin
  • verschiedene Arbeiten an deutschen Bühnen
  • 2007 erste Regie in Bayreuth mit den "Meistersingern von Nürnberg"

Sie steht ihrem Vater sehr nahe und unterstütze ihn in den vergangenen Jahren bei seiner Arbeit. 2008 initiierte sie das Public Viewing und gründete gemeinsam mit ihrem Vater eine neue Marketing-Gesellschaft.

Eva Wagner-Pasquier

  •  geboren am 14. April 1945 in Oberwarmensteinach
  • Ausbildung zur Erzieherin
  • 1967 - 1976 Assistentin bei den Bayreuther Festspielen
  • Arbeit an verschiedenen Häusern: Covent Garden in London oder Pariser Bastille Oper 

1999 strengte sie einen Prozess zur Klärung der Nachfolge der Festspielleitung an. Damals bewarb sich auch Nike um die Position.




Hinweis:


Auf der Websitedes Nordbayerischen Kuriers finden sich einige Videos mit Interviews zur Bestellung der beiden Wagner-Schwestern sowie umfangreiches Bildmaterial, dem wir auch unsere Fotos auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kuriers entnommen entnommen haben.